Myst & Co. – Adventure-Games

Myst Logo

Es gibt einige Spiele, die einfach in die Ruhmeshalle der legendären Computer-Games gehören. Eines davon ist das 1993 erschienene Myst. Der kurze und nicht wirklich aussagekräftige Name täuscht darüber hinweg, dass dieses Spiel einen ganz erheblichen Anteil an der Flut der Adventure-Games der 1990er Jahre hatte, denn mit einigen nie vorher dagewesenen Funktionen konnte (und kann) Myst Jung und Alt begeistern.

Was ist Myst?

In der heutigen Zeit sind diese Spiele eine Seltenheit und werden in dieser Form kaum noch entwickelt. Der Spieler bestreitet das Spiel auf der Insel Myst, die vor Rätseln nur so strotzt. Maschinen und merkwürdige Apparaturen, endlose Bibliotheken und Rätsel in den Katakomben und unter freiem Himmel laden den Spieler dazu ein, auf Myst seinen gesamten Urlaub zu verbringen. Denn dies ist eines der Spiele, das die Zeit wie im Flug vergehen lässt.

Die Systemanforderungen waren für damalige Verhältnisse – 90 MHz CPU, 4 MB RAM und weitere 4 MB Festplattenspeicher – relativ hoch. Dazu kam, dass Myst eines der ersten Spiele auf CD war. Der Grund, warum das Spiel auf CD und nicht – wie damals üblich – auf Disketten ausgeliefert wurde, sind die vorgerenderten Hintergründe und die fantastische Musik. Die Render-Welt war für damalige Verhältnisse sensationell, wenngleich diese Technik auch dafür sorgte, dass man sich als Spieler nur auf vorgegebenen Wegen bewegen konnte. Jeder Bildschirm konnte per Maus nach Interaktionsmöglichkeiten abgesucht werden: Ein Zahnrad hier, ein Ventil da, die Seiten eines Buches in der Bibliothek und so weiter. Die Myst Masterpiece Edition verfügt über noch einmal verbesserte Hintergrundgrafik und Sound.

Hatte man die äußerst logisch aufgebauten Rätsel schließlich gelöst, konnte man auf der Insel weiter vordringen und nach endlos langen Stunden endlich das Rätsel um die beiden Brüder Sirrus und Achenar lösen – oder auch nicht, denn Myst war und ist unglaublich schwer.

The Secret of Monkey Island

In den goldenen Zeiten der Adventure-Spiele zu Beginn und Mitte der 1990er Jahre gab es vor allem ein Spiel, das es mit dem scheinbar übermächtigen Myst aufnehmen konnte: The Secret of Monkey Island. Das Spiel erschien glücklicherweise 2009 als Re-Release noch einmal, so dass auch jüngere Spieler jetzt in den Genuss des absolut skurrilen Humors dieser Spielereihe kommen können.

Die Geschichte des Spiels ist relativ simpel: Guybrush Threepwood würde gerne Pirat werden. Dazu muss er drei verschiedene Aufgaben bewältigen, die in Schatzinsel-Tradition aufgebaut sind: Buddle einen vergrabenen Schatz aus, stehle ein wertvolles Artefakt aus den Händen der Gouverneurin und besiege den Schwertmeister der Insel im Beleidigungsfechten. Diese letzte Aufgabe zeigt bereits, wohin die Reise geht, denn allzu ernst darf man die Geschichte von Guybrush Threepwood nicht nehmen.
Wortspiele (die leider manchmal eher schlecht als recht in die deutsche Sprache gerettet wurden) und verrückte Gegenstände im Inventar („wofür könnte ich bloß das Gummihuhn verwenden…“) sorgen dafür, dass das Spiel sowohl Spaß macht als auch relativ anspruchsvolle Rätsel präsentiert.

Bei The Secret of Monkey Island darf der Spieler wählen, ob er lieber die Grafik von 1990 oder eine zeitgemäße HD-Grafik spendiert haben möchte. Beide erfüllen ihren Zweck: Die neue Grafik führt auch junge Leute an die Adventure-Reihe heran, die alteingesessene Pixelgrafik von vor zwei Jahrzehnten lässt hingegen Veteranen in seliger Nostalgie schwelgen. Natürlich, die gezeichnete Comic-Grafik ist alt; an Sympathie eingebüßt hat sie hingegen nichts. Fackeln werfen ein wohliges Licht auf Gefängnismauern und die Sterne über dem Nachthimmel der Insel funkeln noch immer so hell wie „damals“.
Auch die Rätsel haben nichts von ihrer Faszination eingebüßt und können noch immer überzeugen. Welche Gegenstände mit welchen anderen Items kombiniert werden müssen und wo diese eingesetzt werden können, ist noch immer eines der zentralen Probleme. Das erinnert an Myst und alle anderen Adventures, die nach diesen beiden legendären Spielen erschienen. Wenn man Rätselkost und einen eigenwilligen Humor mag, kann man bedenkenlos zugreifen.

Alan Wake

Dieses Spiel von den Entwicklern des auf dem PC überaus erfolgreichen Max Payne hat bereits einen langen Weg hinter sich, denn der Entwicklungsprozess begann im Jahr 2005. Fünf Jahre später erst sollte der Titel erscheinen, welcher wohl momentan das beste Adventure ist, welches noch an die „alten Zeiten“ von Myst & Co. anknüpfen kann. Natürlich wird inzwischen alles in einem modernen 3D-Gewand präsentiert, was aber über die Wurzeln des Spiels nicht hinwegtäuschen kann.

Schriftsteller Alan Wake leider unter Alpträumen und einer üblen Schreibblockade – äußerst unangenehm, wenn man sein Geld mit dem Schreiben von Horror-Romanen verdient. Um dem grauen Alltag zu entfliehen, von dem Alan glaubt, dass er ihm die letzte Kraft raubt, ziehen er und seine Frau Alice in das abgelegene Bright Falls. Die Ruhe ist nicht von allzu langer Dauer, denn nach einer mysteriösen Schlüsselübergabe verschwindet Alans Frau – und wenig später auch noch sein gesamtes Haus mitsamt der Insel, auf dem es stand.

Um Alan Wake wirklich zu genießen, sollte man es allein spielen. Nachts, Telefon und Handy auf lautlos und von der Außenwelt abgeschnitten. Dann kann das Spiel einen Sog entfalten, dem man so schnell nicht wieder entrinnen kann. Die zahlreichen Rätsel ganz nach Myst (nur eben ohne vorgefertigte Hintergründe) und Actioneinlagen halten sich die Waage, so dass Spieler beider Lager – die Denker und die Spieler der „Erst schießen, dann fragen“-Fraktion – auf ihre Kosten kommen.

The Lost Crown

Spiele wie Myst haben heutzutage das Problem, dass sie kaum mehr gespielt, geschweige denn erst entwickelt werden. Einige Entwickler machen sich dennoch die Mühe und hoffen auf großartige Verkaufserfolge. Die bleiben in den allermeisten Fällen leider aus, wobei das der Qualität der Spiele keinen Abbruch tut. Eines dieser Beispiele ist The Lost Crown vom relativ unbekannten Entwickler Darkling Room.

Die Einführung verbreitet prompt die richtige Stimmung. Irgendwelche Experimente sind schiefgelaufen, da ist die Rede von einem Abgrund, von Wesen aus einer anderen Dimension. Bereits nach den ersten fünf Minuten wird klar, dass es sich bei The Lost Crown nicht um einen sonnigen Urlaub unter Palmen handeln wird. Sobald die ersten Spielminuten vergangen sind, ist deutlich, dass das Spiel eine Art klassischer Kriminalfall à la Edgar Wallace gemischt mit Grusel- und Geistergeschichten der Moderne sein will. Zur Story soll an dieser Stelle nicht allzu viel verraten werden, denn was ist eine gute Geschichte wert, wenn man die Rahmenhandlung bereits kennt?
Nur so viel sei verraten: Die Handlung spielt sich im englischen Städtchen Saxton ab, welches die Bezeichnung Idyll wahrlich verdient. Im weiten Umkreis gibt es niemanden außer den Bewohnern dieser verschlafenen Stadt und Nigel Danvers, den Protagonisten des Spiels.

In bester Myst-Manier werden die Spielszenen mit vorgefertigten Hintergründen präsentiert, mit denen der Spieler interagieren kann. Mal gibt es Gemälde zu begutachten, mal sind Hebel und Schalter dafür verantwortlich, dass man hinter des Rätsels Lösung kommt.
Dabei muss man aus hartem Holz geschnitzt sein, denn The Lost Crown ist ein Horror-Thriller allererster Güteklasse. Man muss natürlich ein Faible für derartige Spiele haben. Ist das jedoch vorhanden, steht einigen Tagen Gruselspaß nichts im Wege.

 

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