Review – The World Ends With You

Das Cover von The World Ends With You für den NDS.

Seit Jahren weiß man; japanische RPGs haben meist den selben Aufbau, eine epische Fantasystory um und mit einem tapferen Helden, der sich mit Hilfe von Magie und Schwert durch eine Welt voller wundersamer Gestalten kämpft um schlussendlich ein ganzes Königreich zu retten. Nicht so in The World Ends With You (Originaltitel „It’s A Wonderful World“); wer hier ein 0815 RPG erwartet, liegt komplett falsch.

Story:

Das Cover von The World Ends With You für den NDS.

Das Cover von The World Ends With You für den NDS.

Japan  im 21. Jahrhundert; im berühmten Einkaufs- und Vergnügungsviertel Shibuya wacht der introvertierte Neku  in mitten einer Kreuzung mit einem Timer auf seiner Handfläche  und ohne Erinnerungen auf. Und bereits hier wird sich jeder, der jemals in Tokyo beziehungsweise in Shibuya durch die Straßen gewandelt ist, ein Lächeln nicht verkneifen können, denn der Entwickler Square Enix hat viel Liebe ins Detail gelegt.

So sehen alle Straßen in The World Ends With You ihren Originalen zum verwechseln ähnlich und auch berühmte Einkaufspassagen und Geschäftshäuser sind, wenn auch unter verfälschtem Namen, im Spiel wiederzufinden. Dies mag der westlichen Welt sicherlich nicht so auffallen, wie der asiatischen, trotzdem trägt dieses Design sehr zum Charme des Spieles bei, das durch und durch japanisch ist. Endlich konnten es sich die englischen Übersetzer auch einmal verkneifen, den Hauptcharakteren westliche Namen zu verpassen, dies wäre auch angesichts der Atmosphäre völlig fehl am Platz gewesen.

Der junge Neku befindet sich also in Mitten von Shibuya Nahe dem Denkmal von Hachiko, dem Hund, als er plötzlich von Monstern, halb Tier, halb Tribalwesen (Tribals sind größtenteils bekannt von Tattoos und sind scharfe abstrakte Muster) angegriffen wird. Es dauert jedoch nicht lange, bis er bemerkt, dass er gegen diese Wesen allein keine Chance hat, er flieht und läuft direkt in die Arme der jungen Shiki, die mit ihm einen Pakt formt, um den so genannten „Noise“; die mysteriösen Monster, zu besiegen. Fortan macht sich der Spieler also auf den Weg herauszufinden, wer er ist und wo er sich eigentlich befindet.

Die Grundstory des Games ist tiefgründig und wird dem Spieler in teils sehr langen Squenzen und Textteilen vermittelt. Das mag auch das vielleicht einzige große Manko am Spiel sein, durch die vielen Sequenzen nervt das Sterben in einem plötzlichen Bosskampf direkt nach einer langen Textsequenz sehr. Keine Möglichkeit, das bereits gehörte Blabla zu überspringen, also heißt es so oft es geht abspeichern. Das dies jederzeit über das Menü möglich ist, erleichtert den Spieleablauf teils sehr, denn wie oft haben wir uns bereits in Spielen wie Final Fanatsy geärgert, nach einem Tod wieder am Speicherstein zu stehen, wie bereits eine Stunde zuvor. Storyinteressierte Zocker sollte die Textlastigkeit allerdings nicht stören, da die Geschichte rund um Neku sehr abwechslungsreich und interessant gestaltet ist.

Kampfsystem und Spielablauf:

Der Spieler kämpft in beiden Bildschrimen gleichzeitig.

Der Spieler kämpft in beiden Bildschrimen gleichzeitig.

Den größten Teil der Spielzeit verbringt man als Spieler damit, das Mysterium des „Reaper Games“ und den boshaften Reapern und ihren sadistischen Spielen aufzulösen. Das Böse bekämpfen? Natürlich! Aber nicht im altmodischen rundenbasierenden Kampfmodus – TWEWY bietet ein noch nie da gewesenes Kampfsystem, das sich auf beiden Bildschirmen des Nintendo DS abspielt und somit anfangs auch sehr verwirrend wirkt und bis der Spieler sich an die Gamemechanik gewöhnt hat, sicher auch für den ein oder anderen Frust sorgen kann. Der Zocker muss beide Charaktere im Kampf steuern, Shiki mit dem Steuerkreuz (für Linkshänder mit den A, B, Y und X Tasten) im oberen Bildschirm und Neku mit dem Stylus und flotten Handbewegungen auf dem Touchscreen auf dem unteren.

Beide Charaktere kämpfen auf völlig unterschiedliche Weise; Neku kann fantastisch mit den so genannten „Psychs“, kleinen Pins, umgehen, deren übernatürliche Kräfte der Spieler mit flinken und gezielten Bewegungen auf den Gegner auslösen kann. Shiki hingegen kämpft mit Comboschlägen, die der Gamer mit dem Steuerkreuz auslöst. Auch sind das Mädchen und ihre Combos der Auslöser für eine starke Fusionsattacke, die beide Spieler gleichzeitig ausführen und die alle auf dem Bildschirm befindlichen Gegner schädigt.

Die beiden Hauptcharaktere teilen sich während des ganzen Geschehens eine Lebensleiste, das bedeutet, dass der Spieler sich definitiv um beide Kämpfer kümmern muss, sonst heißt es bald Game Over auf dem Doppelbildschirm des DS. Die Entwickler des Spiels wussten wohl genau, wieso die HP Leiste erst nach ca. einer halben Stunde Spielzeit in den Kämpfen aktiviert wird, als The World Ends With You Neuling braucht man etwas Zeit zur Eingewöhnung. Wenn dies allerdings geschehen ist, kämpft man nur zu gerne auch mal gegen irgendein Monster auf der Straße, das man durch die mentalen Fähigkeiten Nekus mit auf den Kampfbildschirm warpt.

Insgesamt ist das Spiel nicht zwingend kampflastig, bis auf storybedingte Kämpfe steht dem Spieler frei, ob er auflevelt oder nicht. Und nein, Level bedeutet in TWEWY nicht automatisch Sieg, Levelaufstieg bedeutet viel eher mehr Chancen den Monstern nach den Kämpfen mehr und selteneItems abzuluchsen. Denn neben den verschiedenen Schwierigkeitsgraden, die der Spieler im Game jederzeit umstellen kann, kann man auch den Level regulieren, mit dem man kämpft. Die Devise: je niedriger der Level der im Kampf eingestellt wird, desto höher die Dropchance und desto besser die EXP für die Charaktere. Nun kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er viel Risiko für viel Geld und somit die Möglichkeit, ausgiebig in Shibuyas Geschäften shoppen zu gehen und mit dem Equipment seinen Status zu verbessern, eintauscht oder sich doch lieber auf das reine Bestehen des Abenteuers konzentriert, das auch ohne extremes Leveln mit der richtigen Taktik und den richtigen Pins im Gepäck absolviert werden kann.

Mit den Fusionsattacken schädigt man alle Gegner auf dem Bildschirm.

Mit den Fusionsattacken schädigt man alle Gegner auf dem Bildschirm.

Apropos shoppen, Marken spielen eine große Rolle im echten Shibuya sowie im fiktiven. Jeder eurer Pins und jeder eurer Ausrüstungsgegenstände die ihr Monstern abluchst oder auch direkt im Shop kauft, hat eine Marke und jeder Teil von Shibuya hat seine eigenen Markenrangliste, die die Kämpfe deutlich beeinflusst. So kann man, wenn man die Pins der Trendmarke im aktuellen Bereich trägt, locker mit einem Damageplus von 50% am Gegner rechnen, wenn man hingegen die Marke trägt, die gerade out ist halbiert sich der Schaden, den der Zocker mit den Pins anrichtet.

Das Charakterdesign sowie die Musikkulisse passen perfekt ins Spektakel, gerade die Songs sind abwechslungsreich und haben längst MP3 Qualität erreicht, endlich mal ein Spiel, bei dem man den Sound auch mal länger als 5 Minuten aushält, ohne verrückt zu werden! Der recht grobe und „grafittihafte“ Stil, in dem die Charaktere designt wurden, ist etwas Neues, aber mit Sicherheit nichts schlechtes, da sich die Darstellungen durch viele Details auszeichnen.

Fazit:

The World Ends With You  ist ein Rollenspiel in frischem Design und mit mitreißender Story. Außergewöhnliches Charakter- und Storydesign ziehen den Spieler bereits nach einer Stunde Spielzeit vollkommen in ihren Bann und lassen ihn nicht mehr so schnell los; bis das Spiel beendet ist sind es gut 25 Stunden voll Abenteuer und tiefgründiger Story. Und nebenbei; das Spiel bietet die Möglichkeit nach Beenden des so zu sagen „ersten Durchgangs“ noch einmal von Vorne zu beginnen; jedoch mit der kompletten Ausrüstung, die man am Ende der ersten Runde besessen hat.

Ein definitives Muss für alle Rollenspielliebhaber, die endlich mal wieder etwas Anderes und Neues erleben und doch nicht auf Story und innovatives Gameplay verzichten wollen. The World Ends With You ist das beste RPG, das ich seit langem angefasst habe und hat somit meine absolute Kaufempfehlung! 😉

  • Konsolenplattform:

Nintendo DS

  • Erscheinungsdatum:

18. April 2008 (Europa)

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