Nachruf auf meine beste Freundin

Das Leben ist beständige Veränderung und dauerhafter Wandel, auch in den Weiten von Azeroth. Oftmals bringen diese Veränderungen Abschiede mit sich. Der tiefgreifendste Abschied, den ein Bewohner unserer Welt überhaupt erleben kann, ist der Abschied eines Jägers von seinem langvertrauten Tier. Denn niemand lebt eine solche Symbiose, eine solche gegenseitige Abhängigkeit, die über Leben und Tod entscheidet. Kein Krieger und kein Schurke kann ermessen, was der Tod seines Tiers für einen Jäger bedeutet, selbst wer er es wieder zum Leben erwecken kann. Und keiner sonst weiß, wie verloren sich ein Jäger vorkommt, wenn er einmal ohne seinen treuen Gefährten ausziehen muss.

Langvertraute Mitglieder unserer Gilde kennen nicht einfach nur Gwyddyn. Sondern das Gespann Gwyddyn und Kitten. Wie oft wurde Kitten von den anwesenden Damen schon geherzt, geknuddelt, mit Leckerein versorgt – ja, es wurde gar mit ihm getanzt. 32 lange Level lang hat mich diese treue Seele begleitet, ist mit mir von der Insel Teldrassil das erste Mal nach Auberdine gereist, hat einen Kontinent nach dem anderen erkundet, gewaltige Dungeons erforscht und unzählige Feinde erlegt. Doch nun ist der Moment des Abschieds gekommen.

Denn auf meinen frühen Reisen durch das Schlingendorntal verschwand Kitten plötzlich von meiner Seite. Ich wusste nicht wohin, bis ich jenes Fauchen hörte und Kitten in einem Tal Seite an Seite mit einem rabenschwarzen Panther dahinziehen sah. Sie kehrte zwar zurück, denn die Augen jenes Panthermannes waren trügerische gewesen. Doch nun liegt sie in einem Stall in Booty Bay und ihr schwellender Bauch ist nicht mehr zu übersehen.

In unserer einzigartigen mentalen Verbindung machte sie mir traurig klar, dass sie nicht länger mit mir umherziehen und Abenteuer erleben könne. Die Sorge um ihren Nachwuchs hat Vorrang. Ich verstand sie. Doch ist ein Neubeginn für einen Jäger schwer: ein neues Tier ist noch fremd, muss langsam an den Jäger gewöhnt werden. Erst wenn es spürt, dass es gut gehegt wird, lernt es langsam all die vielen Dinge, die mir bei Kitten längst vertraut waren: das Beißen und Schlagen des Gegners, die starke Rüstung, den Widerstand gegen manche Zauber und vor allem das Knurren, mit dem Kitten Gegner an sich gebunden hatte. Die nächsten Wochen würde ich ohne all das auskommen müssen – eine schwere Zeit steht mir bevor.

Doch zuerst galt es, nicht mehr allein zu sein. Welches Tier sollte ich mir suchen? Einen der jungen Panther des Schlingendorntals, schwarz, rassig und schnell? Den berühmten King Bangalash, der zwar fast auf meiner Stufe wäre, aber ausser seinem eindrucksvollen Aussehen und Namen im Grunde kaum etwas zu bieten hatte? Nein, um eine solch wundervolle Begleiterin wie Kitten würdig vertreten zu können, brauchte es das ganz Besondere. Und ich fand sie. Ihre Rasse heißt „Broken Tooth“ und sie ist eine der größten Legenden, von der sich Jäger bei Treffen abends zu später Stunde am Lagerfeuer ehrfürchtig erzählen.

Broken ToothIrgendwo, erzählten sie mir, in der Nähe von Uldaman, gäbe es eine Schlucht, in der dieser Mythos zuweilen auftauchen würde. Doch stets nur kurz. Ein Jäger, der sie zähmen wolle, müsse viel Geduld aufbringen und lange suchen: nur in diesem Gebiet wäre sie zu sehen, oft nur ein einziges Mal am Tag. Wer dann im richtigen Moment an jenem Platz zur Stelle wäre, der würde zur Belohnung etwas einzigartiges gewinnen: das mit Abstand schnellste Tier der ganzen Welt. Eine Raubkatze, die jeden Gegner das Fürchten lehren würde. Die ideale Kampfgefährtin für Schlachten und Dungeons.

Ich konnte es kaum glauben. Doch machte ich mich auf die Suche, zog denn alleine los, ins tiefe Ödland. Tag um Tag durchkämmte ich die Gegend. Zähmte einen der Kammpirscher Leoparden und lernte von ihm die Kunst der Unsichtbarkeit. Schon überlegte ich bei meiner schweren Suche, ob ich ihn nicht behalten sollte. Doch merkte ich bei den Kämpfen gegen Riesenbussarde und Koyoten schnell, wie wenig sinnvoll diese Kunst des Schleichens war, denn viel zu langsam war das Tier. Und je länger die Tage voranschritten, desto öfter fragte ich mich, ob jener Broken Tooth wirklich existierte oder doch nur eine Legende war.

Zu den unmöglichsten Zeiten ging ich nun in die Badlands, am Ende dann, wenn niemand anderes dort unterwegs war – zu groß war die Gefahr, dass ein Krieger diese wertvolle, scheue Katze einfach angegriffen hatte und sie an diesem Tag nicht mehr auftauchen würde. Und dann, in der Hitze des Mittags, als niemand außer mir dort war und ich mich einmal mehr verloren in Sandstürmen unter all den Wilden Tiere fühlte, da war es soweit:

Mitten am Hang, direkt unterhalb der Festung Angor sah ich sie. Ich erstarrte, dachte an eine Täuschung meiner Sinne. Fürchtete, dass sie verschwand oder ich von den patrouillierenden Wachen der Festung angegriffen würde. Doch dann überwand ich meine Lähmung: Ich saß von meinem Reitsäbler ab und gab dem Leoparden die Freiheit. Ich vergaß alles um mich herum, baute eine Eisfalle auf und lockte die Raubkatze an. Sie stürmte auf mich zu und fror kurz ein. Dann rangen wir miteinander. Angelockt vom Lärm kamen zwei Leoparden und griffen mich ebenfalls an. Drei Raubkatzen gegen einen einsamen Jäger. Doch ich hielt mit eisernem Willen durch, wollte dieses unglaubliche Tier.

Mein gezähmter Broken Tooth im SchlingendorntalDann war es soweit: sie war gezähmt. Während ich jubelte, stellte sie sich an meine Seite und griff einen der Leoparden an, während ich den zweiten attackierte. Es wurde knapp, nur dank der Hilfe meiner Zaubertränke überlebten wir diese erste gemeinsame Herausforderung. Und zogen von dannen, zurück ins Jägerlager des Schlingendorntals, auf unserem langen Weg zum höchsten Level.

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Aus der alten 2006er-Kurzvorstellung bei der Gilde Celeb Rana: "Jäger, der gern mit seinem geliebten Pet tagelang allein durch die Wildnis zieht und deshalb anfällig dafür ist, von leichtbekleideten, jungen Damen zu Instanzen und Hordenjagden eingeladen zu werden ;-)". Seit...

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