Erfahrungen in einer Ü40-Gilde bei WoW

schlacht um dazaralor 032719

Dreieinhalb Jahre sind vergangen seit dem letzten Artikel „Verliebt in Draenor„, wo ich über Erfahrungen berichtet und aus dem Nähkästchen geplaudert habe. Aktuell beschäftigt mich die Zeit von Mitte 2016 bis Frühjahr 2017 als ich in einer Ü40-Gilde spielte. Wie läuft es in einer solchen Gilde ab? Lohnt sich eine solche Gilde für ältere Spieler?

Der Beginn in der Ü40-Gilde

Beim Start von Legion waren meine Gefährtin Amy und ich auf Hordenseite primär als Paar unterwegs. Doch zunehmend kam der Wunsch auf, mit weiteren Gleichgesinnten gemeinsam zu spielen. Ich schaute mir damals verschiedene Gilden an wie beispielsweise „Tote Kuh“, eine Fun-Gilde mit wenig gemeinsamen Aktivitäten und Gilden-Nachrichten im Kiddie-Style. Das war für kurze Zeit amüsant aber nicht zielführend. Durch ein Posting im Handelschannel wurde ich dann auf eine Ü40-Gilde aufmerksam. Der Kontakt war schnell gemacht, im TS wurde ich freundlich aufgenommen und sofort starteten gemeinsame Aktivitäten. Insofern wechselte ich direkt mit meinen Chars dorthin, und als Amy von der Arbeit nach Hause kam und meine begeisterten Berichte hörte, kam sie ebenfalls an Bord.

Seit Ende der Classic-Zeiten hatte ich immer Auszeiten von mehreren Monaten gehabt und war erst mit Draenor wieder richtig intensiv am Zocken. Vieles war zwischenzeitlich an mir vorbei gegangen und in der neuen Gilde wurden wir richtig gut beraten. Als Erbstücke fehlten, überwies uns der Gildenchef erst einmal genügend Gold zum Shoppen. Von dieser Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit waren wir überwältigt. Da es zu dieser Zeit keinen Hexenmeister in der Gilde gab, löste ich meinen Level 100 Boost ein und spielte meinen neuen Hordenmain erstmal auf 110, Amy zog ihre Heilig-Priesterin aufgrund des Heal-Mangels von Level 70 ebenfalls schnell hoch und bekam dabei viel Unterstützung durch die Gildenleitung. Seit Classic-Zeiten hatte ich keinen Raid mehr von innen gesehen, das sollte sich nun ändern – wir gaben uns mit der Gilde das volle Programm und motivierten weitere Freunde, ebenfalls dieser Gilde beizutreten.

Problemfall Raid

Gerade durch den Raid entstanden immer wieder Probleme. Während meiner Zeit kamen und gingen drei verschiedene Raidleiter. Obwohl der Gildenmeister als Rentner viel Zeit inGame verbrachte, klasse Ausrüstung hatte und mit seinem Arkanmage der beste DD der Gilde war, wollte er den Raidlead nicht übernehmen. Doch alle Raidleiter verließen recht bald die Gilde. Höhepunkt war ein Spieler, der die Raids immer sehr ruhig und besonnen erklärte, richtig gut spielte, aber bei der leisesten Kritik fies unterhalb der Gürtellinie austeilen konnte. In einer Nacht und Nebel-Aktion verließ er die Gilde, nahm eine Handvoll der besten Spieler mit und gründete mit diesen eine eigene ambitionierte Gilde. Dass diese nur einige Wochen Bestand hatte, war ein schwacher Trost für diesen Aderlass, der unsere Raid-Aktivitäten erst einmal ad acta legte. Der GM war menschlich schwer angeschlagen, solche Verluste vertrauter Spieler oder gar von RealLife-Freunden nahmen ihn immer sehr mit – als Amy und ich später gemeinsam unsere eigene Gilde leiteten, konnten wir dieses Gefühl am eigenen Leib nachvollziehen.

Interessanterweise fanden diese Eskalationen immer während oder direkt nach Raid statt. Wer bei älteren Spielern in dieser Hinsicht Besonnenheit erwartet, liegt wohl falsch. Ich habe in den letzten Jahren oft erlebt, dass sich viele ältere Männer – gerade wenn sie Rentner oder arbeitslos sind – sehr über den Erfolg im Spiel definieren. Da wird Kritik schnell persönlich genommen. Ein höheres Alter führt nicht zwangsläufig zu mehr Weisheit – wenn mit über 50 Jahren keine menschliche Weiterentwicklung mehr stattfindet und die Persönlichkeit verhärtet ist, muss ein älterer Mensch einem Jüngeren nicht zwangsläufig etwas voraus haben.

Natürlich menschelt es überall. Wenn neuen Bewerbern bzw. Mitgliedern im TS als erste private Frage immer wieder der Klassiker „Warst du beim Bund?“ gestellt wurde und bei Bejahung erstmal alle Opas lang und breit „vom Krieg erzählten“, half irgendwann nur noch ein Muten des Kopfhörers oder ein Channel-Wechsel. Doch wirklich störend wurden andere Dinge.

Engagement, Mobbing und fehlende Kommunikation

Während unserer Zeit in der Gilde erlebten Amy und ich drei große Austrittswellen, die viele Gildis emotional und die Gilde als Ganzes spieltechnisch stark beutelten. Nach dem Motto: Kaum haben wir einen guten Raidkader zusammen, hauen Leute ab. Dabei lagen die Gründe oft im zwischenmenschlichen Bereich. Krisenintervention und Kommunikation war nicht die Stärke des GM.

Amy und ich waren recht bald in der Hierarchie der Gilde zu Offizieren aufgestiegen, meine Frau hatte die Gildenbank unter ihre Fittiche genommen und steckte viel Zeit und Arbeit dort hinein. Als der GM wegen Krankheit zwei Wochen ausfiel, übernahm ich als Stellvertretender Gildenmeister die Orga. Gemeinsam hielten Amy und ich den Gildenbetrieb aufrecht. Diese Gilde war für uns einfach unser Zuhause und wir taten alles, damit sie am Leben blieb und die verunsicherten Mitglieder nicht zu Hauf das Weite suchten.

Als ich mich eines Tages wieder einloggte, sah ich, dass ich kein StGM mehr war. Eine persönliche Nachricht dazu? Keine. Der GM hatte aus dem Nichts einen guten Freund – der meiner Erinnerung nach vorher noch nicht einmal in der Gilde gewesen war – zum Stellvertreter gemacht und ich wurde wieder zum Offi. Als zweites folgte irgendwann ein Gespräch mit mir: Ich würde mich zu wenig in die Gilde einbringen. Wenn ich weiter Offi bleiben wolle, müsste ich beispielsweise Mats farmen gehen für den Raid. Verdammt, grinden war noch nie mein Ding. Also verzichtete ich auf den Offi. In kurzer Zeit der „Abstieg“ von der kommissarischen Leitung der Gilde zum normalen Mitglied, ohne verbale Anerkennung für die geleistete Arbeit, das war frustrierend.

Eskalation und Abschied

Angesichts dieser Erfahrungen verlor ich zunehmend die Lust auf die Gilde. Während Amy weiterhin die Bank pflegte und Offi blieb, spielte ich zunehmend wieder auf Alli-Seite. Ich hatte das Video einer Gilde namens „Chaosengel“ gesehen, Kontakt aufgenommen und war sofort ins TS und einen Proberaid eingeladen worden. Mein Alli-Main Gwyddyn war schwer vernachlässigt worden, das GS unterirdisch. Dennoch nahmen sie mich mit. Und ich hatte in diesen Stunden – vor allem im traditionellen „Nacktraid“ – mehr zu lachen als in den vielen Monaten auf Seiten der Horde zusammen. Die meisten Chaosengel waren in den Dreißigern, der Ton locker, die Frauenquote hoch, die Witze oftmals recht anzüglich – und das sogar meist von den weiblichen Mitgliedern. Während der Bosskämpfe ging man konzentrierter zu Werk, aber beim Trash wurde viel rumgealbert. Diese Lockerheit hatte ich bei der Ü40-Gilde massiv vermisst und meine Alli-Chars wechselten alle auf Aman’thul zu den Chaosengeln.

Vorneweg: Die Chaosengel gibt es in dieser Form nicht mehr. Durch einen männlichen Neuzugang wurden die Witze bodenlos sexistisch, ein Treffen im RealLife erzeugte Grüppchenbildung, vormals gute Freunde zerstritten sich. Aber die Erfahrung, einen Raid erfolgreich und gleichzeitig mit viel guter Laune absolvieren zu können, war für mich eine wichtige Erfahrung. Wenn ich dann mit der Hordengilde raidete, war der Unterschied eklatant.

Dann kam der 22.03.2017. Wieder einmal raideten wir im Alptraum. Der stellvertrende GM und Kumpel des Gildenchefs hatte auch die Raidleitung übernommen. Der Raid verlief erfolgreich und mein Hexer war nach dem GM in Sachen Schaden der beste DD. Umso größer die Überraschung, als sich der Raidlead danach zu Wort meldete. Er hatte ein Addon eingeführt, das im Channel anzeigte, wer kein Buff-Food, Flask etc. drin hatte. Manch einer mag das, andere finden es auf dieser Hobbyebene überzogen und kontrollierend. Mein Charname war jedenfalls in der Liste beim fehlenden optimalen Buff-Food aufgetaucht. Fakt war: Ich hatte Food getestet, der Tempo brachte, weil ich mit dem wichtigsten Stat Meisterschaft ganz ordentlich lag. Ich wollte wissen, wieviel Unterschied der Tempo-Buff im Vergleich zum Raid davor in Sachen dps und Spielgefühl ausmachte. Der Unterschied war minimal, der gemachte Schaden gerade beim Bosskampf wie immer beträchtlich. Dennoch wurde mir im TS vor allen Anwesenden der Prozess gemacht, der GM schwieg, während der Raidlead und drei weitere ältere Männer verbal auf mich eindroschen und sich immer mehr ereiferten. Es wurde unerträglich. Also gab ich /gquit ein.

In kürzester Zeit hatte ich alle meine Chars rausgenommen. Amy folgte mir bald, nachdem sie eine saubere Übergabe der Gildenbank mit dem GM gemacht hatte. Zu meiner Überraschung fanden wir beide zeitnah jeweils 10.000 Gold in der Post, die der GM uns in Anerkennung unserer Leistungen für die Gilde schenkte. An seiner Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft hatte sich nichts geändert und er unterstützte uns auch später, als unsere eigene Gilde noch in den Anfängen war, eine Zeit lang bei Dungeons.

Fazit

Ich habe in jener Ü40-Gilde einige positive und einige schlechte Erfahrungen gemacht. Unter den positiven war nichts einzigartiges, was ich nicht auch mit Spielern unter 40 Jahren gehabt hätte. Während unter den schlechten Erfahrungen etwas ist, das ich so noch nie zuvor und auch seitdem nie wieder erlebt habe. Das einzige, was dem Ganzen nahekam, wurde in einer anderen Gilde veranstaltet, durch Spieler, die beide Ü50 waren. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein ander Mal erzählt wird…

Insofern ist meine klare Ansicht: Das Alter eines Spielers ist weitgehend egal. Idioten gibt es überall. Deshalb nehmen wir in unserer, seit mittlerweile zwei Jahren bestehenden Gilde Spieler ab 20 Jahren auf. Wichtiger sind uns Softskills wie Teamfähigkeit und Spaß am Spiel. Und damit fahren wir recht gut.

Disclaimer: Den Namen der betreffenden Gilde sowie deren handelnder Personen habe ich an dieser Stelle bewusst nicht genannt. Die geschilderten Ereignisse spielten sich 2016/2017 ab. Auch wenn die betreffenden Personen in jener Gilde immer noch leitend aktiv sind, können sich dort Dinge durchaus zum Besseren gewandt haben. Wobei in der Zwischenzeit von dort Aussteiger bei uns gelandet sind, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben 😉

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Aus der alten 2006er-Kurzvorstellung bei der Gilde Celeb Rana: "Jäger, der gern mit seinem geliebten Pet tagelang allein durch die Wildnis zieht und deshalb anfällig dafür ist, von leichtbekleideten, jungen Damen zu Instanzen und Hordenjagden eingeladen zu werden ;-)". Seit...

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